Der Lettner

Zwischen Langhaus und Chor steht ein auf Säulen ruhender Querbau, der Lettner, der wie ein mächtiger Querriegel durch alle drei Schiffe unserer Kirche zieht und dennoch durch seine hohen, offenen Arkaden einen breiten Durchblick in den dahinterliegenden Chor gewährt.

 

Der Bönnigheimer Lettner ist der einzige im Kreis Ludwigsburg und neben denen in Tübingen, Esslingen und Maulbronn eine der letzten Kostbarkeiten im Unterland.

 

An den zwei mittleren Säulen des Lettners stehen auf Consolen (Träger des Wandvorsprunges) Johannes der Täufer, darüber ein Engel und eine Mater Dolorosa, die schmerzensreiche Mutter, darüber der Evangelist Johannes; zu Füßen der Madonna ist neben dem Wappen der "Sachsenheimer" das Erzbischöfliche Wappen angebracht und zwar das Mainzer Rad, darunter drei Sterne und daneben im Schild das silberne Kreuz. Es ist das Wappen Dietrichs von Erbach, der von 1434 bis 1459 Erzbischof von Mainz war.

 

Über dem Haupt der Mater Dolorosa ist ein Steinmetzzeichen eingemeißelt, allesdings sehr versteckt, aber völlig unversehrt. Es liegt der Schluß nahe, dass ein enger Mitarbeiter, vielleicht auch ein Sohn des Matthias von Ensingen, am Lettner gearbeitet hat. Ein weiteres Steinmetzzeichen an der linken hinteren Säule deutet auf Lorenz Lächler hin, der 1486 den lettner in Esslingen geschaffen hat.

 

An der Brüstung wurde bei Renovierungen 1961 eine Christusfigur angebracht.

Wir dürfen auf den Lettner stolz, aber zugleich auch dankbar sein, dass diese Kostbarkeit durch all die Jahrhunderte hindurch mit ihren Schreckenszeiten erhalten geblieben ist. Allerdings war bei der großen Renovierung der Kirche im Jahre 1866 beabsichtigt, den Lettner zu entfernen. Der mit der Restauration beauftragte Stuttgarter Architekt Landauer weigerte sich aber der Niederreißung und Zerstörung. Ein Ausspruch des Kunstkenners Prälat von Merz ist uns durch Oberlehrer Strecker in ein Büchlein von 1899 erhalten geblieben: " Einzig in seiner Art ist der gotische Lettner, der nur an dem romanischen Lettner in Maulbronn ein Seitenstück hat. Kreuzgewölbe mit luftigen Verzierungen der Spitzbögen tragen den Bau, welcher mit einer gotischen Brüstung gekrönt, an den Pfeilern mit Statuen besetzt ist und durch drei Portalöffnungen einen Durchblick in den Chor gewährt. Einen Lettner wie diesen hat keine Kirche weit und breit."

 

Vom Lettner wurden einst die biblischen Lektionen der Gemeinde verlesen; er ist eine seit dem 12. Jahrhundert an die Stelle der Chorschranken tretende Scheidewand zwischen Chor und Mittelschiff. Noch heute sind zwei Führungsrillen zu erkennen, wo einst Gitter gewesen sein müssen. Die Seiten-Baldachine des Lettners, von dem einer noch im Jahre 1853 einen Altar erschloss, haben kreuzgewölbe, deren Gurten mit Wappenschildern und Rosetten geschmückt sind; wir erkennen die Wappen der Familien von Neiperg, Gemmingen, Leitheim und von Wöllwarth.