Biblische Figuren des Altarschreins

Der Altarschrein staffelt sich nach oben in drei Absätzen. Auf der obersten Staffel steht Christus, der Auferstandene, die linke Hand segnend erhoben, während er die rechte Hand an die Seitenwunde legt. Dann folgen eine Marienstatue und der Evangelist Johannes, ein Buch in seiner Linken haltend. Wir sehen weiterhin die heilige katharina mit dem Schwert und die heilige Barbara mit dem Kelch.

Linker Altarflügel

Die geöffneten Altarflügel, dreieinhalb Meter messend, zeigen innen polychrome (buntgemalte) Flachreliefbilder. Wir erkennen am äußeren nördlichen Flügel die Mutter Anna, auf dem linken Arm das Jesuskind, welches eine Weintraube in der Hand hält. Die heilige Anna führt an der rechten Hand ihre junge Tochter Maria, die mit einem dunkelblauen Gewande und mit einem goldenen Krönchen auf ihrem Haupte geschmückt ist und in einem Beutelchen ihr Gebetbüchlein trägt.

Daneben ist das Bild des heiligen Wolfgang im bischöflichen Gewand und mit dem ihm eigenen symbolischen Attribut, einem kurzen Beil und dem Kirchenmodel, darüber den Bischofstab haltend.

 

St. Wolfgang ist der Patron des Holzes und der Zimmerleute. (Eine Wolfgangskapelle stand bis zur Reformation südlich vom Unteren Tor.)

Rechter Altarflügel

Auf dem anderen Flügel erkennen wir den Auferstandenen mit der Siegesfahne, wie er den Schlüssel des Himmels dem Petrus überreicht. Das letzte Bild zeigt uns den Erzengel Michael in reichem Gelock und golddurchweichtem Mantel, in der Linken Waage des Gerichts haltend, in deren einer Schale ein Mensch sitzt.

 

Mit seiner rechten Hand stößt der Erzengel das spitze Schwert senkrecht in den Rachen des Satans, dessen spinnenmäßige Drachengestalt an der anderen Waagschale hängt, die er vergeblich herabzuziehen versucht; es ist eine äußerst lebendige und sinnvolle Darstellung.

 

In den unteren Eckzwickeln der Altarflügel sehen wir zwei kniende Stifterfiguren. Die linke Gestalt in einem prächtigen Gewand, dürfte einem weltlichen Herrn gehören, während die gegenüberstehende wohl dem Domherrn im geistlichen Ornat zugeschrieben werden darf; zu dessen Füßen ist ein Wappenschild, das einen Halbmond zeigt, aus dem ein Arm mit einem blumenstraußähnlichen Gebilde herausragt.

 

Beide Stifter zeigen porträthafte Individualität. Der weltliche Stifter auf dem linken Flügel hat geradezu ein etwas derbes, fast unschönes Aussehen. Er ist mit einem reich und weit fallenden Mantel bekleidet, dessen schwarze Arabesken-Musterung auf goldenem Grund ebenso wie der weiße Pelzkragen seine vornehme Stellung ausdrücken.

 

Das weiße Gewand seines Mitstifters auf dem rechten Flügel weist den Träger als Kanonikus und Chorherren aus. Sein Hermelin-Schulterkragen ist in einem hellen Türkis eingefärbt. Eine weitere farbige Bereicherung ist die rot-goldene Borte seines Übergewandes und die rote Kopfbedeckung. Vor dem Hindergrund beider Stifterreliefs schlingt sich ein Sprudelband, dessen sicherlich restaurierte und übermalte Schriftzeichen keinen Sinn ergeben. 

Predella

Damit man jederzeit die Flügel des Altars öffnen und schließen konnte, ohne die auf dem Altarisch stehenden Kultgeräte abräumen zu müssen, gab man dem Schrein einen Unterbau, Predella genannt.

 

Von eigenartiger Auffassung und Darstellung in halberhabener Arbeit, stellt sie das heilige Abendmahl dar. In fünf vergoldeten Rundnischen sehen wir je zwei Apostel.

 

In der Mittelnische sitzt Christus. Einige Diener in vornehmer Tracht und mit Schnabelschuhen bringen reichlich Speise und Trank und beides lassen sich die Apostel sichtlich schmecken; es sind aber ihrer dreizehn. Die ganze Darstellung ist sehr lebendig gehalten, sie weist aber auf eine andere Schule als die des Hochaltars hin.