Zur Geschichte der Orgel

Spieltisch der 3 manualigen Orgel der Stadtkirche

Orgelmusik hat eine weit zurückliegende Vergangenheit. Seit der hellenistischen Antike ist die Orgel als „Positiv“ mit etwa 55 Pfeifen, einmanualig und mit einem Tonumfang von etwas mehr als zwei Oktaven (19 Töne), bekannt. Eingesetzt wurde sie im Theater, im Circus und bei allen repräsentativen Großveranstaltungen der Antike.

 

Ktesibios von Alexandria (3. Jahrhundert v. Chr.) und Archimedes von Syrakus (282 – 212 v. Chr.) sollen die Orgel nach dem Vorbild der „Panpfeife“ entwickelt haben. Die Orgel war meist wassergetrieben. Das Wasser diente dazu, den zu den Pfeifen geführten Luftdruck, der gebraucht wurde, um die Pfeifen zum Klingen zu bringen, stabil zu halten. Mit dem Untergang des Weströmischen Reiches 476 n. Chr. versank die Orgel in Europa in Vergessenheit.

 

Erst im Jahre 757 kam durch eine Schenkung des Kaisers Konstantin V. Kopronymos an Pippin den Jüngeren (714 – 768) die Orgel wieder in den Westen. Der Frankenkönig ließ diese Orgel in der Kirche zu Compiègne an der Oise aufstellen. Dieses Instrument wurde erstmals nicht mehr mit Wasser betrieben, sondern war bereits mit einem Blasebalg ausgestattet. –  Es kann davon ausgegangen werden, dass von diesem Zeitpunkt an die Orgel den christlichen Gottesdienst –  trotz des Widerstandes der Gegner der Kirchenmusik – zu erobern begann. So schenkte im Jahre 812 Kaiser Michael I. von Byzanz dem Kaiser Karl dem Großen eine Orgel für den Dom zu Aachen.

 

Papst Johannes VIII. ließ 873 eine Orgel samt Orgelspieler aus dem Frankenreich nach Rom kommen. Das mittelalterliche Portativ, eine kleine, mit Riemen um den Hals gehängte Orgel, diente dazu, bei Prozessionen den Gesang zu begleiten. Dabei bediente die linke Hand des Musikers den Blasebalg, während die rechte auf der Klaviatur spielte. Dieses transportfähige Instrument war mit Zungenregistern versehen. Der Tonumfang war inzwischen auf 3 bis 4 Oktaven gestiegen.

 

Als die Orgel in der Kirche schließlich heimisch wurde, also nicht mehr transportabel zu sein brauchte, konnte sie sich weiter entwickeln und immer komplexer werden. Im 14. Jahrhundert kam das sogenannte Wellenbrett auf, das die Grundlage für die heute noch übliche Manualtastatur bildete. Aus dieser Zeit stammt auch die Einteilung der zu einem Ton gehörenden Pfeifen in einzeln zuschaltbare Register und die Verteilung der Register auf einzelne Teilwerke (Disposition). Gleichzeitig wurde die Orgel auch durch das hinzutretende Pedal erweitert. Bereits 1585 wird in der Marienkirche zu Danzig eine Orgel mit 3.742 Pfeifen gebaut. Dies entspricht fast der Größe unseres heutigen Instruments in Bönnigheim.

 

Im 17. und 18. Jahrhundert entstanden viele bedeutende Orgeln. Vor allem hinsichtlich ihrer klanglichen Möglichkeiten war das die Blütezeit des Orgelbaus. Das 19. Jahrhundert brachte die vor allem in Deutschland forcierte orchestrale Orgel, der die Franzosen eine ganz eigene virtuose Klang- und Spielweise entgegensetzten. Zu  Beginn des 20. Jahrhunderts initiierten Albert Schweitzer und Ernst Rupp die „Elsässische Orgelreform“ mit dem Ziel, von den Fabrikorgeln wieder zu den reinen Bachschen Klangidealen der Orgelbaukunst des 18. Jahrhunderts zurückzukehren.

 

 

Erst seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts knüpft man wieder an die bis dahin verpönten Klänge des 19. Jahrhunderts an.

 

Die größten Orgeln der Welt befinden sich in Atlantic City / USA und im Passauer Dom.