Instandsetzung 2006

Die Orgel unsrer Stadtkirche heute, nach der optischen Anpassung des Rückpositivs

Fast 40 Jahre später war nun dringend eine gründliche Instandsetzung und Durchsicht, wie sie alle 15 – 20 Jahre als Standardmaßnahme bei Pfeifenorgeln durchgeführt werden soll, notwendig. Staubteilchen, die sich in den feinen Kernspalten der 4.000 Pfeifen festgesetzt hatten, behinderten in erheblichem Umfang die Tonbildung. Dadurch war ein vernünftiges Stimmen, besonders der kleinen Pfeifen, nahezu unmöglich geworden.

 

Auch die Elektrik in der Orgel war zwischenzeitlich ein halbes Jahrhundert in Betrieb. Die Spindelzugmotoren zur Betätigung der 49 Register waren völlig abgenützt und stellten eine akute Brandgefahr dar.

 

Die gründliche Instandsetzung erfolgte im Januar und Februar 2006 durch Orgelbaumeister Friedrich Tzschöckel aus Althütte-Fautspach zum Preis von € 80.000.

 

Jede einzelne Pfeife wurde gereinigt, auf Dichtheit und Spielbarkeit überprüft. Metallpfeifen wurden, wo erforderlich, ausgebeult und rundiert, Holzpfeifen ausgespänt bzw. verleimt, Windstöcke, Windladen und Windkästen wurden gereinigt. Die brandgefährlichen Spindelzugmotoren konnte man durch Schleifenzugmagnete ersetzen. Auch die Manualklaviaturen wurden instand gesetzt und gereinigt, sowie alle windführenden Teile kontrolliert bzw. abgedichtet. Um dem Klang der Orgel mehr Fundament zu geben, erfolgte der Einbau einer neuen Posaune 16’ in voller Länge im Pedal.                                    

 

Das sehr einfach gehaltene Rückpositiv der Orgel konnte im Rahmen der Instandsetzung optisch an das historische Gehäuse angepasst werden. Die Orgelbaufirma Tzschöckel übernahm die Holzschnitzarbeiten, der Restaurator Kenter sorgte für die fachgerechte Bemalung. So wirkt das Rückpositiv nicht mehr als Fremdkörper, sondern fügt sich harmonisch in den Kirchenraum ein.

 

Um dem Organisten einen besseren Einblick in den Altarbereich zu ermöglichen, wurde eine Videokamera eingebaut.

 

Orgeln sind in ihren Ausmaßen sehr groß: Da der Organist mitten im Instrument sitzt, ist die Klangbeurteilung zur Registerauswahl erst in einer gewissen Distanz möglich. Um dies zu erleichtern, wurden Mikrofone im Raum aufgestellt. Nun kann der Organist die Orgel genau so hören wie die Kirchenbesucher.

 

Am 26. März 2006 erklang die erneuerte Orgel im Rahmen eines Festgottesdienstes in der vollbesetzten Kirche erstmals wieder.

 

(Bericht: von Joachim Schäfer / Organist an der Stadtkirche Bönnigheim)