Die Orgel bis Mitte der 1960er Jahre

Pfeifenwald

Im Jahre 1917 wurden Prospektpfeifen aus Zinn zu Kriegszwecken beschlagnahmt und später durch bronzierte Zinnpfeifen ersetzt. Vermutlich zwischen 1920 und 1930 wurde ein elektrischer Winderzeuger eingebaut; so war es nicht mehr erforderlich, dass die Buben des Ortes den Blasebalg treten mussten. – Bis zum Zweiten Weltkrieg blieb das Instrument weitgehend unverändert.

 

Im Februar 1952 erstellte der damalige Orgelpfleger, Kirchenmusikdirektor Walter Lutz (Stuttgart) Pläne für eine völlige Umdisponierung der Orgel. So wurde im Sommer 1953 die Orgel durch die Firma Weigle komplett überholt, gegen Holzwurm behandelt und klanglich umgestaltet: Sieben Register wurden ganz erneuert, darunter alle Mixturen und zwei Zungenstimmen. 19 Register wurden umgestellt und umgearbeitet. Allein 7 der originalen Streicher in 8’-Lage wurden dabei zu „kleinen“ Registern (2’-1’) abgeschnitten.

 

Die übrigen Stimmen blieben erhalten, wurden jedoch z. T. durch Erniedrigung der Aufschnitte und Entfernen romantischer Intoniereinrichtungen stark verändert.

 

Die Abnahme erfolgte am 20.10.1953 durch Kirchenmusikdirektor Lutz. Aus Kostengründen waren nicht alle von ihm 1952 vorgeschlagenen Änderungen ausgeführt worden.

 

Im Jahre 1961 wurde die Kirchenerneuerung durchgeführt. Vorsorglich wurde die Orgel gut abgedeckt, aber Kälte und Staub haben ihr nicht gut getan. Nochmals wurden 20.000 DM für die Orgel aufgebracht, aber es war leider vergeblich ausgegebenes Geld. 1962 kam ein strenger Winter:

 

Alle haben sich über die gut funktionierende neue Ölheizung gefreut, aber der Orgel hat sie nicht gut getan. Gewöhnlich war samstags an der Orgel eine Temperatur von minus 5 Grad, sonntags stieg die Temperatur auf plus 25 Grad auf der Orgelempore und montags waren es wieder minus 5 Grad. Die Folge war, dass die Holzpfeifen und die anderen Holzteile diesen Temperaturwechsel nicht aushielten und zersprangen.

 

Am 14.02.1962 schrieb der Orgelbauer Rensch aus Lauffen: „Das Holz der Orgel ist derartig ausgetrocknet, dass eine ganze Anzahl Windkanäle gerissen sind und auch an den Windladen überall undichte Stellen auftauchen.

Ich kann es nicht verantworten, in eine so defekte Orgel noch neue Sachen einzubauen“. Der Orgelsachverständige des Oberkirchenrats schrieb nach der Besichtigung in seinem Gutachten: „Ich stelle fest, dass die Windläden und Kanäle der Orgel so viele Risse haben, dass eine Reparatur, die den Schaden völlig beseitigt hätte, nicht mehr möglich ist“.